Erfolg durch Trängselskatt: 5 Mobilitäts-Fakten über Stockholm

Ein echter Fußballgigant ist Schweden nicht. Der größte Erfolg war der dritte Platz bei der WM 1994 in den USA. Doch für die Hauptstadt Stockholm gilt: Klein, aber oho! In unserer Mobilitäts-Reihe zur Weltmeisterschaft in Russland sticht Stockholm als Vorbild für die Zukunft der Mobilität in Städten bisher heraus.

Während Anfang der 2000er noch Staus und Autos das Stadtbild prägten, hat sich heute so einiges geändert. Große Gewinner sind nicht nur die Einwohner, die sich an sauberer Luft, und einem großen Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln erfreuen können. Stockholm macht auch vor, wie man die Umwelt durch ein modernes und vielfältiges Verkehrskonzept schützen und gleichzeitig die Lebensqualität der Einwohner steigern kann.

 

1.     Eine Zäsur mit dem Wohlwollen der Bevölkerung

In Stockholm leben knapp 900.000 Menschen, mit dem Umland einberechnet sind es sogar zwei Millionen. Eine halbe Million Stockholmer sind Pendler, die noch vor ein paar Jahren mit Autos die Straßen belagerten. Um Staus in der Stadt zu reduzieren, griff die Regierung zu radikalen Mitteln und führte Anfang 2006 probeweise eine Verkehrssteuer, die Trängselskatt („Gedrängelsteuer“), ein. Sie ist je nach Tageszeit oder Wochentag unterschiedlich hoch und wird schon beim Betreten der Stadt fällig. Das eingenommene Geld floss derweil in den Ausbau der Öffi-Infrastruktur und finanzierte das nachhaltige Verkehrsentwicklungskonzept mit. 

 

2.     Stockholm bleibt fit – und steigt aufs Rad

Anfangs lag die Zustimmung in der Bevölkerung bei gerade einmal 25 Prozent, doch quasi über Nacht verschwanden durch die Verkehrssteuer 40 Prozent des Straßenverkehrs. Ein paar Monate später gab es eine Volksabstimmung, eine klare Mehrheit sprach sich für die Steuer aus. Der Gewinn an Lebensqualität machte sich bei den Stockholmern sofort bemerkbar, die Straßen wurden wieder attraktiver für umweltfreundliche Alternativen. In den vergangenen Jahren wurde das das Öffi- und Velo-Netzwerk um über 50 Prozent ausgebaut. Zahlreiche Busse, ein riesiges U- und S-Bahnsystem und vor allem das sogenannte Velo-Rad prägen heute das Stadtbild.

 

3.     Bahn, Bus oder Fähre: Die Vielfalt macht’s

Stockholm ist geprägt durch eine besondere topografische Lage. Die Stadt verteilt sich auf 14 Inseln, über die sich ein vielfältiges Netz öffentlicher Verkehrsmittel spinnt. Circa 800.000 Menschen nutzen täglich das öffentliche Verkehrsnetz. S- und U-Bahnen erstrecken sich auch über die Vororte, die roten Buslinien fahren durch die Innenstadt, blaue Busse sind größer und fahren wie die U-Bahn eher größere Strecken zwischen den Haltestellen ab und verbinden die Stadt mit den Vororten und naheliegenden Kommunen. Besonders beliebt bei Pendlern und ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie ist der Wasserweg. Zahlreiche Fährenlinien verkürzen die Strecken zwischen den 14 Inseln ungemein und entlasten die Straßen zusätzlich. 

 

4.     Die U-Bahn: kostengünstig, weitflächig und voller Kunst

Wer nicht gerade im Bus oder per Fähre durch die Stadt tingelt, nutzt die U-Bahn. Die ist nicht nur wegen ihrer sieben Linien und 110 Haltestellen in Stockholm und den Vororten so beliebt. Das günstige Bahnticket, das es seit 2013 ausschließlich elektronisch gibt, ist gleichzeitig eine Eintrittskarte zu vielfältiger Kunst: An über 90 Stationen warten aufwändige Verzierungen, Wandreliefs aus antiken Kacheln oder rot beleuchtete Decken auf neugierige Blicke. So ziert zum Beispiel die Haltestelle Solna Centrum auf der beliebten blauen Linie ein kilometerlanger Kiefernwald. Zum Preis eines U-Bahn-Tickets gibt es auch Führungen über vier bis fünf Stationen mit einem Experten, die nicht nur bei Touristen beliebt sind.

 

5.     Grüne Alternative – Elektromobilität ist der Baustein der Zukunft

Das Taxi ist gar nicht so beliebt in Stockholm, denn es ist im Vergleich zu den zahlreichen Alternativen sehr teuer. In der Regel wird es genutzt, wenn man nachts längere Strecken zurücklegen muss, da keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren. Doch auch hier wird kräftig an der Zukunft geschraubt: In Kooperation mit dem Energieversorger E.ON entstand ein gemeinsames Konzept zur Stärkung der Elektro-Mobilität. Der Fuhrpark von Taxi Stockholm wird kontinuierlich auf Elektroautos umgestellt. So sind bereits rund 30 Elektrotaxen auf den Straßen Stockholms unterwegs, der Strom wird aus erneuerbaren Energien bezogen. Die Kooperation soll eine Blaupause für Unternehmen sein, die Kosten senken, ihren Kunden gleichzeitig innovative und umweltfreundliche Lösungen anbieten wollen. Aber vor allem wäre es ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Ein weiteres Beispiel ist das Swedish Electromobility Centre – ein Kompetenzzentrum zur Förderung von Elektromobilität in Schweden, die auch Partner des E-Mobility Power System Integration Symposiums 2018 in Stockholm sind. Insgesamt verfolgt die schwedische Hauptstadt das ehrgeizige Ziel, bis 2030 zu den weltweit führenden Städten für saubere Fahrzeuge zu gehören.