Ein Interview mit MOIA Mobility Consultant Tom-Erik Kuhlen
Tom-Erik erzählt, wie Kund*innen anhand von Simulationen datenbasierte Entscheidungen für autonome Mobilität treffen
Wie verändert autonome Mobilität unsere Städte und wie lässt sich ihr Nutzen überhaupt greifbar machen? Antworten darauf entstehen bei MOIA zuerst im Modell. MOIA Mobility Consulting zeigt anhand von Simulationen, wie sich neue Mobilitätsangebote auf Verkehrsströme, Emissionen oder die Auslastung des ÖPNV auswirken, lange bevor ein Fahrzeug tatsächlich fährt. Diese Modelle machen sichtbar, wie viele Fahrzeuge nötig sind, welche Gebiete sinnvoll bedient werden können und welche Effekte autonome On-Demand-Services auf bestehende Verkehrssysteme haben. Für Verkehrs- und Städteplaner ist dies eine wertvolle Grundlage, um datenbasierte Entscheidungen für ihre spezifische Region zu treffen.
Tom-Erik Kuhlen arbeitet bei MOIA als Senior Transport Modeling Specialist im Team Mobility Consulting. Er arbeitet an Modellen, Simulationen und deren Analyse und berät Kund*innen aus verschiedenen Regionen und Städten bei der Entscheidungsfindung. Im Interview erklärt er, wie Modelle entstehen, welche Rolle sie für politische und strategische Entscheidungen spielen und welche Argumente dabei besonders überzeugend sind.
Woran arbeitest du konkret bei MOIA?
Ich arbeite im Mobility Consulting Team. Unsere Aufgabe ist es, mit Modellierungen und Simulationen Visionen messbar zu machen. Dazu nutzen wir Daten und Verkehrsmodelle, unsere Erfahrungen aus unserem Ridepooling-Service in Hamburg und Wissen aus diversen Beratungsprojekten zum autonomen Fahren.
Unsere Simulationen ermöglichen es, verschiedene Szenarien zu konzipieren. So zeigen wir beispielsweise Szenarien mit unterschiedlichen Flottengrößen oder verschiedenen Servicegebieten. Auf Basis dessen können unsere Kund*innen genau sehen, welchen Effekt welche Art von autonomem Mobilitätsangebot in ihrer Region haben kann.
Auf Basis von Daten lässt sich so also erkennen, wie und auf welche Weise sich neue Dienste in bereits bestehende Verkehrssysteme integrieren lassen und welche Vorteile dadurch entstehen.
Wie beeinflussen Modelle und Simulationen politische Entscheidungen?
Modelle und Simulationen machen Ideen konkret und ermöglichen eine datenbasierte Entscheidung. Die visuell aufbereiteten Simulationen unterstützen dabei, sich einen neuen Mobilitätsservice vorzustellen. Die Analyseergebnisse aus der Simulation machen es möglich, verschiedene Szenarien gegeneinander abzuwägen. Wir analysieren anhand unserer Modelle und Simulationen zum Beispiel, wie die Anzahl der Fahrzeuge die Servicequalität beeinflusst, wie sich ein neuer Service auf das Verkehrsverhalten der Einwohner*innen auswirkt oder wie viele Emissionen eine Verkehrsmaßnahme einspart. Unser Ziel ist es zu demonstrieren, wie autonome Mobilität das bestehende Verkehrssystem ergänzt und welchen Mehrwert sie schafft. Indem wir Zahlen liefern und Effekte visualisieren, können unsere Kund*innen, wie ÖPNV-Betreiber, Städte und private Unternehmen, fundierte Entscheidungen treffen.
Welche Daten sind für eure Modelle und Simulationen entscheidend?
Für ein erstes Modell reichen uns öffentlich zugängliche Daten zu Einwohner*innen, relevanten Orten wie Restaurants, Bars und Flughäfen sowie unsere eigenen Beobachtungsdaten aus Hamburg. Für detaillierte Analysen ergänzen wir die Modelle um weitere Daten wie Arbeitsplätze, Haushalte und Pendelverkehren. In unseren detailliertesten Simulationen modellieren wir alle Verkehrsarten, von Fußgänger*innen bis zur U-Bahn. Jede*r simulierte Verkehrsteilnehmer*in entscheidet im Modell dann individuell basierend auf seinen oder ihren Bedürfnissen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln.
Wie verändert autonome Mobilität Städte und Regionen?
Das hängt stark von der Region selbst ab. Im ländlichen Raum ermöglicht autonome Mobilität erstmals eine ÖPNV-Qualität wie in Städten. Die Wartezeiten und die Fußwege zum nächsten Verkehrsmittel werden kürzer. Das verändert die Lebensrealität vieler Menschen grundlegend. In Städten sorgt autonome Mobilität für mehr Effizienz, weniger Emissionen, weniger Lärm und mehr freiwerdende Flächen. Denn ein effizienteres Verkehrssystem benötigt weniger Parkflächen und schmalere Straßen. Das erhöht die Lebensqualität und macht das Verkehrssystem inklusiver. Zudem sind autonome Fahrzeuge sicherer als menschliche Fahrer*innen. Langfristig entlastet autonome Mobilität zudem den Personalmangel im ÖPNV.