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Wörter für eine neue Welt

Dank neuer Mobilitätsangebote haben Stadtbewohner in Zukunft mehr Zeit und Raum zur Verfügung. Auf dem Weg zu diesem Ziel werden wir neue Begriffe für neue Technologien und Services etablieren. Hier erklären wir, was diese Wörter für unseren Alltag bedeuten.

B

Big Data

Big Data bedeutet nichts anderes, als in den Abermilliarden von Datenpunkten, die die moderne Welt jeden Tag erzeugt, Muster zu erkennen. Leistungsstarke Computer­algorithmen analysieren etwa die Daten, die die intelligente Infrastruktur einer Smart City generiert, oder werten Daten von Millionen Navigationsgeräten aus. So kann man zum Beispiel herausfinden, welche Straßen besonders stauanfällig und welche Faktoren dafür verantwortlich sind – und wie sich der Verkehrsinfarkt vermeiden lässt. Im besten Fall liefert Big Data Antworten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden.

C

Connected Car Services

Im Jahr 2016 ist ein Auto nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel, sondern zugleich ein Hochleistungscomputer, der mit dem Internet verbunden ist – ein „Connected Car“. Für den Fahrer bedeutet das eine Menge Annehmlichkeiten. Er hat Einblick in Echtzeit­verkehrsinformationen oder kann über Concierge-Services ein Hotel am Zielort reservieren. Das vernetzte Auto bietet aber nicht nur Komfort, sondern auch Sicherheit: Bei plötzlich auftretenden Problemen lässt es sich aus der Ferne warten. Und Geschäftskunden profitieren von der erhöhten Effizienz und Profitabilität eines „Connected Fleet“-Managements.

Crowd Traffic Mapping

Die Verkehrsdurchsagen, die man täglich im Radio hört, haben einen großen Nachteil: Oft sind sie, wenn man die entsprechende Strecke erst erreicht hat, bereits veraltet. Crowd-Traffic-Mapping sorgt für Abhilfe, indem es die Navigationsdaten einer großen Anzahl von Fahrzeugen auswertet und in Echtzeit eine Alternativroute berechnet, die dem Fahrer kostbare Zeit spart. Dank weiterer Connected-Car-Services können nachfolgende Fahrzeuge nicht nur vor Stau, sondern auch vor ungünstigen Witterungsbedingungen wie Nebel oder Glatteis gewarnt werden.

D

Drohnen

Was vor wenigen Jahren noch eine Nische war, in der sich Hobbybastler austobten, ist heute ein Milliardenmarkt: Drohnen. Sie sind ebenso unterschiedlich wie ihre Einsatzgebiete. Manche fliegen ferngesteuert und mehr als hundert Stundenkilometer schnell. Andere dagegen sind nur wenige Zentimeter groß, aber dafür voll autonom. Drohnen werden schon heute zur Überwachung kritischer Infrastrukturen eingesetzt oder einfach nur, um faszinierende Fotos und Filme zu machen. Vielleicht liefern sie bald schon Pakete aus.

F

Free-Flow Traffic

Free-flow Traffic, das bedeutet Fahren, wie es eigentlich sein sollte. Kein Stillstand oder Stop-and-go, sondern eine fließende Bewegung. Es gibt tatsächlich enorm komplizierte mathematische Gleichungen, die beschreiben, wie sich ein Hindernis auf den Verkehrsfluss auswirkt. Wie etwa ein Engpass sich wellenförmig ausbreitet, bis überall Stillstand herrscht. Leider ist dies in den großen Metropolen immer häufiger der Fall. Der Verkehrsfluss wird meist nicht von einem Unfall oder höherer Gewalt behindert, sondern leidet unter dem Infrastructure Overload.

G

GPS

Das Global Positioning System ist eine der vielen Technologien, die in den vergangenen Jahren von unerreichbarem Hightech zu Alltagsservices herangereift sind. Ein Netzwerk aus Satelliten, die die Erde in mehr als 20.000 Kilometer Höhe umkreisen, teilt jedem Nutzer auf weniger als zehn Meter genau seinen Standort mit. Jeder kennt GPS von seinem Routenplaner, doch die Einsatzgebiete sind mittlerweile deutlich vielfältiger geworden. So kann man etwa in unübersichtlichen fremden Innenstädten markieren, wo man das Auto geparkt hat. Oder mittels des sogenannten Geofencing nachvollziehen, ob das Fahrzeug einen zuvor festgelegten Umkreis verlassen hat.

I

Infrastructure Overload

Jeder kennt das: Stillstand auf allen Spuren, jeden Tag das Gleiche, ohne erkennbaren Anlass. Man spricht dann vom Infrastructure Overload. Die Vergangenheit holt uns ein: Unsere Städte und unsere Straßen wurden in einer Zeit geplant und gebaut, als man sich noch nicht ansatzweise vorstellen konnte, wie viele Menschen und Autos dort einmal leben und herumfahren würden. Der Overload betrifft aber nicht nur unsere Straßen, sondern auch Bahn- und Stromnetze. Zum Glück gibt es mittlerweile Ideen, wie man die veraltete Infrastruktur entlasten kann. Etwa durch Mobility-on-Demand oder das Smart Grid.

K

KI – Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist Science-Fiction. Künstliche Intelligenz begegnet uns schon heute jeden Tag. Beide Aussagen sind wahr, denn man unterscheidet zwischen „Artificial General Intelligence“ und „Artificial Narrow Intelligence“. Erstere beschreibt den Computer, der besser denkt als ein Mensch. Das ist noch Zukunftsmusik. Narrow Intelligence bedeutet, dass ein Rechner spezifische Aufgaben eigenständig erledigen kann. Beispiele sind etwa die Gesichtserkennung auf Facebook oder auch ein Auto, das seine Umgebung schnell und präzise wahrnimmt. Man sieht: Wir leben (beinahe) in der Zukunft.

L

Last Mile

Manchmal ist die moderne Welt schon paradox. Da reisen Menschen rasend schnell um den Globus und Produkte werden problemlos zwischen Kontinenten verschifft, und ausgerechnet auf den letzten Metern geht ihnen die Luft aus. Experten sprechen dann von der „Last Mile“, die im Personen- und Gütertransport die höchsten Emissionen verursacht und Reisende die meisten Nerven kostet. Es gilt also, neue Ideen für diesen Streckenabschnitt zu finden. Zum Beispiel Drohnen, um Pakete auszuliefern, oder Sharing-Dienste für Einzelpersonen.

M

Mobility-On-Demand

Eine Stadt ist immer in Bewegung. Doch manchmal gerät der Fluss ins Stocken und nichts geht mehr. Stau, Hupen und Smog beherrschen dann das Stadtbild. Damit das nicht passiert, muss in der Stadt der Zukunft ein engmaschiges Netz von Mobilität-auf-Abruf-Lösungen vorhanden sein, das es den Einwohnern erlaubt, vorwärtszukommen, ohne ihre Fahrten im Vorhinein planen oder ein Fortbewegungsmittel lange im Vorfeld reservieren zu müssen. Erlaubt ist, was gefällt – und was uns im wahrsten Sinne des Wortes weiterbringt, ohne ein Fahrzeug besitzen zu müssen: zum Beispiel Bikesharing, Robo-TaxisRide-Hailing oder Vehicles-on-Demand.

Mobilitätsbudget

Das Mobilitätsbudget ist der Betrag, den eine Person in die Fortbewegung mit Verkehrsmitteln investiert. Durch die zunehmende Multimodalität der Menschen wird dieses Budget immer weiter aufgefächert. In Zukunft werden wir seltener den Großteil des Budgets für den Privat-Pkw aufwenden, sondern es ebenso durchdacht wie gleichberechtigt auf verschiedene Mobility-on-Demand-Lösungen verteilen.

Multimodal Travel Management

Je flexibler und vielfältiger die Fortbewegungsmittel werden, desto mehr gilt es auch zu organisieren. Es wäre selbstverständlich nicht in unserem Sinn, wenn diesen Mehraufwand der Reisende selbst tragen müsste. Deshalb wird in Zukunft das Smartphone die Rolle eines persönlichen Reisebüros übernehmen, das die Route von Tür zu Tür in einer einzigen Suchanfrage plant und bucht. Tickets und Bezahlung werden in einer zentralen App gebündelt, unabhängig von den jeweiligen Anbietern.

Multimodalität

Auch wenn uns das nicht bewusst ist, gelangen wir doch auf multimodale Weise von A nach B. Das Konzept der Multimodalität besagt, dass unsere Fortbewegungsarten ähnlich flexibel geworden sind wie unser Leben. Wir fahren also nicht mehr jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit und abends wieder nach Hause, sondern verbinden auf ganz intuitive Weise verschiedene Verkehrsmittel – Fahrräder, ÖPNV, Taxis, Ride-Hailing-Services. Die erhöhte Flexibilität sorgt für geringere Fixkosten – und reduziert im Idealfall das Mobilitätsbudget. Verbindet man bei einer Reise von A nach B verschiedene Verkehrsmittel, spricht man von intermodaler Fortbewegung.

P

Predictive Service Offering

Im Inneren eines modernen Autos wachen zahlreiche Sensoren permanent über dessen Zustand. Wenn es Unregelmäßigkeiten gibt, schlagen sie Alarm. Anstatt auf starre Wartungszyklen zu setzen, die sich daraus ergeben, wie viel man fährt und wie lange man das Auto bereits besitzt, lassen sich auf diese Weise nötige Reparaturen und dringende Servicetermine schon absehen, bevor es kritisch wird. Das reicht vom einfachen Öl- oder Reifenwechsel bis hin zu komplizierteren Maßnahmen. Da die Wartungsvorhersagen vollautomatisch erfolgen, sind sie Teil der Connected-Car-Services.

R

Ride-Hailing

Wie macht man auf sich aufmerksam, wenn man schnell von A nach B muss – jetzt sofort? Nicht mehr durch Pfeifen und Winken, sondern mit einem Griff zum Smartphone. Sogenannte Ride-Hailing-Apps versprechen eine smarte, schnelle Alternative zum herkömmlichen Taxi und sind mittlerweile ein Milliardenmarkt. Die Fahrtenvermittler erkennen den Standort des Nutzers, können aus der großen Anzahl an Fahrern, die ständig unterwegs sind, auswählen und schnellstmöglich einen Wagen schicken. Aus dem Profil jedes Fahrers geht hervor, was für ein Auto er oder sie fährt und wie andere Passagiere die Dienstleistung bewertet haben. Ride-Hailing ist daher ein zentrales Geschäftsmodell im Bereich Mobility-on-Demand.

Robo-Taxi

Schon klar, das Wort „Robo-Taxi“ klingt nun wirklich nach Science-Fiction. Doch tatsächlich wird in amerikanischen Städten schon live im Straßenverkehr mit ihnen experimentiert. Das Neue an autonomen Taxis wäre nicht nur, dass sie keinen Fahrer mehr benötigen, sondern auch, auf welchen Routen sie unterwegs sind. So würden die selbstständig fahrenden Taxis nicht die meiste Zeit wartend am Taxistand stehen, sondern sich als eine Art Schwarm durch der Stadt bewegen. Als Vehicles-on-Demand würden Robo-Taxis auch den Bedarf an privaten Pkws reduzieren und so mehr Raum in den Städten schaffen.

S

Selbstfahrende Fahrzeuge

Auch wenn es vielleicht noch nicht den Anschein hat – ein selbstfahrendes Auto ist längst keine Zukunftsvision mehr. Wie funktioniert es also? Mittels einer Vielzahl unterschiedlicher Sensoren wie Radar, Lidar und Stereokameras hat das Fahrzeug seine Umgebung stets im Blick, egal ob es sich dabei um Autos, Fußgänger oder Hindernisse handelt. Man unterscheidet mehrere Grade der Auto-Autonomie. Während ein Fahrzeug auf Level 1 vielleicht beim Einparken behilflich sein kann, muss bei einem Level-5-Auto nur noch ein Ziel eingegeben werden. Alles andere erledigt das Fahrzeug wie von selbst.

Smart City

Man kann sich eine Stadt wie ein Nervensystem vorstellen. Alles, was sich in ihr bewegt – egal ob Menschen oder Fahrzeuge –, produziert Daten. In einer Smart City werden diese Signale durch Sensoren registriert und ausgewertet: eine intelligente, unsichtbare Infrastruktur, die sich in Ampeln, Straßenlaternen oder Mülltonnen verbirgt. Wo herrscht Stau, wo steigen die Smogwerte, wo bröckelt der Asphalt? In einer Smart City können diese Fragen schnell und objektiv beantwortet werden. So wird die Stadt effizienter, sauberer und lebenswerter.

Smart Grid

Der Strom kommt nicht einfach nur aus der Steckdose. Zu den wichtigsten Aufgaben für eine grünere Zukunft gehört nicht nur die Produktion von nachhaltiger Energie, sondern auch deren Speicherung. Die intelligenten Netze müssen in der Lage sein, immer dann genügend Strom abzugeben, wenn etwa die Pendler nach Hause kommen und sämtliche Elektroautos aufgeladen werden. Im Smart Grid passt sich aber auch der Verbrauch dem Angebot an: Haushaltsgeräte schalten sich erst dann ein, wenn gerade ein Energieüberschuss existiert.

Smart Infrastructure

Bevor man die Vorteile einer Smart City nutzen kann, muss man eine intelligente Infrastruktur installieren – zum Beispiel für Straßen, das Stromnetz oder das Abwassersystem. Die Smart Infrastructure überwacht sich selbst in Echtzeit mittels Sensoren und Algorithmen. Sammelt und analysiert man genug Daten, wird es möglich, im Voraus zu sehen, wann Wartung und Ähnliches notwendig sein wird. Das spart Ressourcen, Geld und Zeit.

T

Traffic Flow Management

Jeder von uns war schon mal Teil eines „Traffic Flow Management“-Systems – zum Beispiel, wenn wir in ein Flugzeug einsteigen, das Richtungsanweisungen von einem Flughafentower erhält. Wenn man allerdings Zehntausende Autos statt einiger Dutzend Flugzeuge koordinieren muss, kann das nicht zentral gesteuert werden. Ein solches Verkehrsaufkommen muss sich selbst organisieren. In einer Smart City können Ampelschaltungen je nach Situation angepasst werden. Und selbstfahrende Fahrzeuge können mithilfe von Connected-Car-Services miteinander kommunizieren und das bestmögliche Ergebnis erzielen: fließenden Verkehr.

Z

Zero-Emission Vehicles

Alte Gewissheiten: Ein Auto hat vier Räder und einen Auspuff, aus dem es qualmt – nicht bei einem Zero Emission Vehicle (ZEV). Während bei einem Fahrzeug mit Brennstoffzelle nur noch ein bisschen Wasser aus dem Rohr tropft, das man trotzdem immer noch Auspuff nennt, wird man dafür bald wohl einen neuen Begriff finden müssen. Wenn es nicht gleich ganz verschwindet, wie etwa bei reinen Elektrofahrzeugen. So lassen sich Milliarden Tonnen CO? vermeiden. Doch ein ZEV produziert nicht nur weniger Abgase, sondern auch weniger Lärm. Kein Wunder, dass die Nachfrage immer weiter steigt.