„Automatisiertes Fahren macht unsere Städte lebenswerter”

Ebi Gömek von MOIA kommentiert die Leitlinien der Bundesregierung zum autonomen Fahren.

Ebi Gömek von MOIA kommentiert die Leitlinien der Bundesregierung zum autonomen Fahren.

Die Ethik-Kommission im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat vergangene Woche Leitlinien für das automatisierte Fahren vorgestellt. In 20 Punkten gibt sie gesetzliche Empfehlungen für automatisiertes Fahren: zum Beispiel, dass ein Algorithmus im Auto bei einem unvermeidbaren Unfall keine Unterscheidung zwischen Personen treffen darf (jedes Menschenleben ist gleich viel wert). Und alle automatisiert fahrenden Autos müssen Blackboxes enthalten, damit bei einem Problem die Daten geprüft werden können.

Zwei Jahre nachdem die Bundesregierung ihre Autonome-Fahrzeug-Strategie präsentiert hat, und nach einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) im Mai, positioniert sich Deutschland weiter als Vorreiter in dieser Schlüsseltechnologie. Als Ingenieurin bei MOIA habe ich dazu eine klare Meinung: Das ist gut so – aus mehreren Gründen.

Die Entwicklung und Erprobung neuer Technologien fördert Innovation und globale Konkurrenzfähigkeit. Das ist gut für den Wirtschafts­standort Deutschland.

Das automatisierte Fahren weist überdies den Weg in eine schönere Zukunft. Das ist gut für jeden Einzelnen von uns.

Wir werden künftig weniger Unfälle mit Schwerverletzten sehen – aktuell werden rund 90 Prozent der Unfälle durch Fahrerfehler verursacht. Unsere Städte werden lebenswerter, weil wir Lärm und Emissionen durch effizientere Flotten minimieren und durch die Verringerung der Automassen neuen Platz schaffen: mehr Mobilität bei weniger Verkehr. Und letztlich wird automatisiertes Fahren dazu führen, dass wir alle uns in Zukunft flexibler und individueller bewegen können.

Wie geht es nun weiter? Der Übergang hin zu automatisiert fahrenden Fahrzeugen wird schrittweise geschehen – und Technologie, Politik und Gesellschaft werden ihn gemeinsam gestalten. Ich denke, dass wir automatisiertes Fahren zunächst im Flottenbetrieb sehen werden. Dort liegen die größten Potenziale der Technologie für die Verringerung des Verkehrsaufkommens und die Verbesserung der Lebenssituation in der Stadt. Die Novelle des StVG regelt klar, dass auch beim (teil-)automatisierten Fahren die Verantwortung vorerst beim Fahrer liegt. In Flotten ist dies unkritisch, denn hier werden professionell trainierte Fahrerinnen und Fahrer eingesetzt. Sicherheit hat höchste Priorität.

Ich wünsche mir, dass automatisiertes Fahren in der Öffentlichkeit stärker als bisher als große Chance wahrgenommen wird. Klar, es liegen noch einige Entwicklungsschritte vor uns. Aber auch für Testreihen, die offene Fragen klären und Bedenken auflösen können, braucht man sichere gesetzliche Rahmenbedingungen. Es ist deshalb gut, dass Deutschland die Zukunft dieser Schlüsseltechnologie aktiv mitgestaltet. Für unsere Städte. Für uns.

Ebi Gömek

Lead Autonomous Driving bei MOIA. Bevor sie unser Team verstärkte, arbeitete Ebi im Silicon Valley. Die Entwicklung des automatisierten Fahrens ist für sie ein echtes Lebensthema: „Ich glaube wirklich, dass wir so viel Gutes damit erreichen können.”