MOIA follow me around: Von Hamburg nach New York – und wieder zurück

Die drei Hamburger Studentinnen Johanna Ronsdorf, Ines Timm und Johanna Röhr beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Arbeit – besonders mit der Zukunft der Arbeit. Und wer die Perspektive wechseln will, muss sich bewegen.

Die drei Hamburger Studentinnen Johanna Ronsdorf, Ines Timm und Johanna Röhr beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Arbeit – besonders mit der Zukunft der Arbeit. Und wer die Perspektive wechseln will, muss sich bewegen. Deshalb sind die drei Studentinnen der HAW Hamburg für ihren Blog „Schichtwechsel“ kürzlich nach New York gereist.

 

Denn für das Thema Arbeit gibt es wohl keinen besseren Ort als die Stadt mit den endlosen Häuserschluchten. Die „Hauptstadt der Welt“ ist ein Ort für Trends und Innovationen: 2019 soll es dort den höchsten Mindestlohn weltweit geben, sie gehört zu den Top-3-Städten zum Arbeiten und ist ein Synonym für Diversität. In der Metropolregion New York leben rund 21 Millionen Menschen, die über 200 verschiedene Sprachen sprechen. Die Stadt ist für viele aber auch ein Sehnsuchtsort, an dem Träume angeblich wahr werden können. Gleichzeitig ist der Hype um New York auch ein Fluch: Die Mieten sind nahezu unbezahlbar, die Straßen verstopft und die öffentlichen Verkehrsmittel veraltet.

 

Grund genug für uns, bei den drei Hamburgerinnen nachzufragen, was die Mobilitätssituation in New York mit ihnen macht – und was sie davon gerne künftig in Hamburg sehen wollen und was nicht.

 

Johanna, Ines und Johanna – für euer Projekt „Schichtwechsel“ wart ihr in New York. Wie habt ihr euch eigentlich innerhalb von New York von A nach B bewegt? Welche Mobilitätsdienste habt ihr genutzt?

 

Johanna Röhr: Wir haben eigentlich alle Mobilitätsdienste, die uns zur Verfügung standen, genutzt: U-Bahn, Bus, Uber, Lyft, Taxi, Fähre, City Bikes...

 

Johanna Ronsdorf: ...außer Helikopter und eine kleine Seilbahn, die von Manhattan auf Roosevelt Island führt.

 

Ines Timm: Carsharing-Angebote haben wir auch nicht genutzt. Ich habe einmal ein Car2Go gesehen, aber es scheint, als gäbe es gar nicht so viele. Allerdings habe ich auch nicht so sehr darauf geachtet, weil ich in New York selbst gar kein Auto fahren wollen würde. Die Straßen sind überfüllt und es kommt mir so vor, als würde jeder einfach fahren und gehen, wie er mag.

 

Johanna Ronsdorf: Wir sind viel zu Fuß durch die Stadt gegangen, aber das ist auf Dauer anstrengend, weil man so gut aufpassen muss: Fußwege und Straßen sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand, Bordsteinkanten sind hoch, es gibt viele Schlaglöcher, die Treppen in der U-Bahn sind echt steil. Wenn man körperlich eingeschränkt oder als Eltern mit einem Kinderwagen unterwegs ist, hat man es hier sehr schwer. Fahrstühle und Rolltreppen gibt es nur selten.

 

Wie habt ihr den Verkehr in New York wahrgenommen? Was hat euch beeindruckt und was fasziniert?

 

Johanna Ronsdorf: Definitiv Uber und Lyft: Sehr nette Fahrerinnen und Fahrer, es ist einfach in der Handhabe, sehr praktisch und ich habe bis jetzt eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht.

 

Ines Timm: Ich finde die Fähre toll! Es ist genauso teuer wie U-Bahn fahren – nur schöner, einfacher und unkomplizierter. Außerdem ist man an der frischen Luft und hat einen wahnsinnig schönen Ausblick.

 

Und was schreckt euch ab?

 

Ines Timm: Mich schreckt es ziemlich ab, dass in New York gefühlt alle fahren und gehen, wann und wie sie wollen. Manchmal denkt man, der Autofahrer hat Rot, aber er fährt trotzdem. Fußgänger halten sich gar nicht an irgendwelche Ampeln. Und Fahrradfahrer fahren auch ganz selbstverständlich über Rot.

 

Johanna Röhr: Deswegen gibt es oft auch bei funktionierenden Ampeln zusätzlich noch Polizistinnen und Polizisten, die den Verkehr regeln. Sonst hält sich nämlich wirklich keiner dran.

 

Johanna Ronsdorf: Der Grund, warum ich in New York nur einmal mit dem Fahrrad unterwegs gewesen bin. Dazu kommt, dass die Radwege schlecht ausgebaut sind.

 

Johanna Röhr: Dabei sind die Fahrräder gar keine schlechte Idee – allerdings rasen die hier ziemlich und es hat niemand einen Helm auf. Was ich auch ganz cool finde, sind diese E-Longboards und E-Roller. In Deutschland sind die nicht erlaubt und klar, auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem, weil man Entfernungen schwer abschätzen kann. Aber sie sind sehr praktisch.

 

Ines Timm: Ein richtiges Diskussionsthema sind in New York auch die U-Bahnen. Nicht nur wir versuchen diese in der Rush Hour partout zu vermeiden. Man kann sich nicht vorstellen, wie überfüllt die sind. Außerdem weichen die U-Bahnen manchmal spontan von der normalen Route ab und werden zu Express-U-Bahnen, die Stationen überspringen.

 

Johanna Ronsdorf: Was mich stört: Die U-Bahnen sind dazu noch schlecht ausgeschildert. Wenn man sie überhaupt findet, oft sehen sie nämlich aus wie ganz normale Hauseingänge. Gleicher Stationsname, aber es sind ganz andere Linien und Abfahrtsorte. Manchmal geht man auch zu einer U-Bahn-Station und sie ist komplett geschlossen – ohne, dass irgendwo steht wieso. 

 

 

Ihr habt im Rahmen eures Projektes viel Kontakt zu Menschen aus den USA gehabt, vor allem über das Co-Living-Projekt „WeWork/WeLive“. Könnt ihr sagen, wie die New Yorker selbst ihr Verkehrssystem wahrnehmen?

 

Johanna Röhr: Das Thema spielt hier eine ziemlich große Rolle. Ich würde sagen, die Leute sind insgesamt ziemlich genervt und gleichzeitig resignieren sie, weil sie sowieso nichts ändern können. Man wird hier manchmal sogar von New Yorkern gefragt, wohin die Bahn eigentlich fährt.

 

Johanna Ronsdorf: Wie man irgendwo hingekommen ist oder ob die Anreise okay war, ist auffallend oft Thema, weil eigentlich immer eine Person zu spät kommt. Wenn man sich auf Busse und U-Bahnen nicht verlassen kann, ist Pünktlichkeit natürlich schwierig. Wir haben oft in letzter Minute ein Uber gerufen.

 

Johanna Röhr: Ich weiß auch nicht, wie man sich ohne Internet durch diese Stadt bewegen soll. Ohne Netz kannst du dir ja auch kein Uber rufen.

 

Ines Timm: Viele Leute erklären sich die Probleme damit, dass die U-Bahn einfach schon sehr alt ist. Das stimmt auch, sie ist eine der ältesten weltweit. Ein Interviewpartner von uns hat zum Beispiel gesagt, dass Entwicklungsländer weiter sind als New York.

 

Johanna Ronsdorf: Uns wurde auch gesagt, dass das Thema im aktuellen Gouverneurs-Wahlkampf eine große Rolle spielt: Alle wollen es endlich besser machen.

 

Nun seid ihr wieder zurück in eurer Heimat Hamburg. Gibt es etwas, was die Hansestadt aus den Mobilitätskonzepten von New York lernen kann?

 

Johanna Röhr: Ehrlich gesagt kann Hamburg aus meiner Sicht nicht sonderlich viel von New York lernen. Mobilität ist in New York ein ganz großes Problem, alles ist verstopft und alles ist kompliziert und das belastet diese Stadt ungemein. Uber und Lyft wissen wir sehr zu schätzen, weil sie uns das Leben in New York wirklich erleichtert haben. Die sind meines Wissens in Deutschland aber nicht zugelassen.

 

Johanna Ronsdorf: Was insgesamt in den USA ein großes Thema ist, sind selbstfahrende Autos. Man hört immer wieder von Testprogrammen, vor allem von denen, die schieflaufen, wie dem tödlichen Unfall einer Radfahrerin in Arizona. Noch in diesem Jahr soll es angeblich auch einige Testläufe in New York geben.

 

Ines Timm: Mein Eindruck ist, dass es hier in New York mehr Elektroautos auf den Straßen gibt, als in Hamburg. Sie sind sehr leise und man muss extrem aufpassen. Oft sind es Taxis, aber uns sind auch viele Tesla aufgefallen.

 

Zu guter Letzt: Würdet ihr künftig in Hamburg (oder auch in anderen Städten) auf ein eigenes Auto verzichten? Und wenn ja, was müsste dafür gegeben sein?

 

Johanna Röhr: Ich würde darauf verzichten, wenn ich mir an einem sonnigen Samstag spontan ein Auto für einen Tag und für einen bezahlbaren Preis leihen könnte: Mit Träger für Fahrräder, vielleicht auch spontan verlängerbar, falls man noch eine Nacht irgendwo bleiben möchte und es muss in meiner Nähe stehen. Mit dem Fahrrad S-Bahn fahren, finde ich immer anstrengend.

 

Ines Timm: Mein Mann und ich brauchen es in Hamburg nicht. Aber in der Stadt, in der meine Eltern wohnen, gibt es nicht mal einen Bahnhof, da sind wir schon auf ein Auto angewiesen.

Ich habe eine zeitlang Car2Go genutzt, aber oftmals waren bei uns keine verfügbar. Einmal wollte ich ein Auto reservieren, aber das ging nur für 15 Minuten, dann war ich zu weit weg und es wurde mir weggeschnappt. Ein anderer Wagen war nicht in der Nähe. Sowas nervt dann natürlich.

 

Johanna Röhr: Ehrlicherweise geht es mir am Ende aber auch nicht nur um den Transport, sondern auch um den Spaßfaktor. Ich fahre sehr gerne Auto und vor allem fahre ich sehr gerne mein eigenes Auto. Man muss sich an neue Autos immer erst gewöhnen und im eigenen Auto kann man auch mal was liegen lassen.

 

Johanna Ronsdorf: Ich fahre zwar auch sehr gerne Auto, es ist für mich aber keine Option, mir selbst eins zu kaufen. Bisher habe ich immer in Großstädten gelebt, in denen der öffentliche Nahverkehr super war und ich bin im Alltag nicht auf ein eigenes Auto angewiesen. Wenn es dann doch mal etwas zu transportieren gibt, oder ein Ausflug an den See ansteht, nutze ich Carsharing. Meistens ist es nämlich keine Zeitersparnis, wenn man statt Rad oder U-Bahn aufs Auto umsteigt – schließlich muss auch noch ein Parkplatz gefunden werden.