Mit dem Velo zur Fußball-WM: 5 Mobilitäts-Fakten über Bern

Was die Mobilitäts-Konzepte ihrer Hauptstadt Bern angeht, punktet die Schweiz und lässt so manch große Nation alt aussehen.

Die vermeintlich großen Fußballnationen verabschieden sich in diesem Jahr schon vor dem Viertelfinale aus dem Turnier. Italien und die Niederlande sind gar nicht erst angetreten. Weltmeister Deutschland und Vize-Weltmeister Argentinien sind auch schon raus und auch Spanien und Portugal mussten ihre Sachen packen. Die kleine Schweiz, die nur wenige so lange im Turnier gesehen hätten, schlägt sich hingegen bestens. Auch was die Mobilitäts-Konzepte ihrer Hauptstadt Bern angeht, punktet die Schweiz und lässt so manch große Nation alt aussehen.

 

1.     (K)eine halbe Sache

Die Hälfte der Berner Haushalte besitzt kein eigenes Auto. Dabei ist es in der Schweiz nicht unbedingt eine Frage der finanziellen Mittel. So gelten die Bürger der Schweiz nach dem „Global Wealth Report“ als weltweit wohlhabendste. Bern investiert konsequent in den Ausbau des ÖPNV und die Infrastruktur für Fahrräder. Bis 2030 möchte die Stadt den motorisierten Individualverkehr nochmal um 15 Prozent gesenkt haben. Ein ambitioniertes Ziel, denn auch wenn immer mehr Berner ÖPNV (32 Prozent) und Fahrrad (15 Prozent) nutzen, bleibt der Anteil der Autofahrer bei 22 Prozent im Modalsplit.

 

2.     Freie Fahrt für Touristen

Auch den Besuchern der Stadt signalisiert Bern ganz klar, dass sie auf den öffentlichen Nahverkehr setzen sollten. Jeder Übernachtungsgast der Stadt kann frei das ÖPNV-Angebot der Stadt nutzen. Touristen erhalten in ihrer Herberge das sogenannte Bern Ticket, das auch für die Gurtenbahn, die Marzilibahn und als Transferticket zum Flughafen oder Bahnhof gilt. Selbst bei der Anreise müssen sich Gäste der Stadt keine Sorgen machen: Eine Reservierungsbestätigung ihres Aufenthalts gilt als Ticket in die Stadt vom Flughafen und vom Bahnhof.

 

3.     Bern will den Titel der Velo-Hauptstadt

Mit „Velo Bern“ bietet Bern ähnlich wie viele andere große Städte der Welt ein Fahrradverleihsystem. Die aktuell 70 Stationen sollen binnen der nächsten zwei Jahre auf 200 Stationen mit insgesamt 2.400 Fahrrädern ausgebaut werden. Derzeit sind 350 Fahrräder und 350 E-Bikes im Angebot. Damit will sich Bern in der Schweiz nicht nur als politische Hauptstadt der Schweiz, sondern auch als „Velo Hauptstadt“ behaupten. Insgesamt sind Bern und Zürich mit ihren Fahrradverleih-Netzwerken doch eher spät dran. Erst 2018 fiel in beiden Städten der Startschuss. Das ist rund neun Jahre später als beispielsweise in Hamburg. Dort nutzen die Bürger bereits seit 2009 den StadtRAD-Dienst.

 

4.     Der Trolleybus: Alte Verkehrsmittel neu gedacht

Der Oberleitungsbus ist ein altmodisches, aber emissionsfreies Verkehrsmittel. Doch in Bern ergaben sich immer wieder Situationen, die eine Flexibilität fordern, die die leitungsgebundenen Busse nicht erfüllen konnten. Sorgten Großveranstaltungen, Unfälle oder Baustellen für Umleitungen, mussten die Betreiber dann doch wieder Diesel- und Gasbusse einsetzen. Die neuen Trolleybusse in Bern werden künftig mit Batterien ausgestattet, die noch einmal mehr aus dem etwas unflexiblen System der Oberleitungsbusse herausholen. So können die Busse bei Abweichungen der Strecke besser reagieren.

 

5.     Straßen werden zu Begegnungszonen

111 kleinere Straßen wurden von Bern zu sogenannten Begegnungszonen gemacht. Mitten in der Hauptstadt befinden sich nun Straßen, die grob mit dem verkehrsberuhigten Bereich in Deutschland vergleichbar sind. Hier gilt Tempo 20 und Fußgänger und Fahrradfahrer haben Vorrang. Neben dem Effekt, dass der Anreiz mit dem Auto durch die Stadt zu fahren weiter vermindert wird, sollen diese Zonen auch als eine Art Nachbarschaftstreffpunkt fungieren. Dafür werden verkehrsarme Straßen genutzt, in denen kein Linienverkehr stattfindet und die Vorgärten der Häuser einen starken Bezug zur Straße haben. Auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter den Anwohnern ist relevant für die Entscheidung, die Straße zu einer Begegnungszone zu machen. Noch 2018 sollen zu den bisher 111 noch 15 weitere Begegnungszonen hinzukommen.