Millionen Reisende und trotzdem kein Stau: 5 Mobilitäts-Fakten über Seoul

Im asiatischen Raum ist Südkorea allemal eine Fußballmacht, doch im Weltfußball ist der junge Staat eher noch ein Zwerg.

Auch geografisch gesehen ist Südkorea gerade einmal so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen – trotzdem leben hier über 51 Millionen Menschen. Vor allem die Hauptstadt Seoul im Norden des Landes ist mit knapp zehn Millionen Einwohnern eine der am dichtesten besiedelten Städte weltweit. Dabei ist Seoul ein Mobilitätsvorbild für andere Großstädte: Neben seinem hervorragenden Nahverkehrssystem punktet es mit einem gut ausgebauten Straßennetz.

 

1.     Täglich zehn Millionen Fahrgäste

Seoul, eine Stadt der Superlative. Ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Südkoreas hat sich in der Hauptstadt angesiedelt. Mit dem dazugehörigen, riesigen urbanen Ballungsraum – dem fünftgrößten der Welt – sind es sogar 25,5 Millionen Menschen. Also die Hälfte der gesamten Bevölkerung! Die Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beachtliche Entwicklung hingelegt: Urbanisierung, steigender Wohlstand und ein erhöhtes Interesse an individueller Mobilität. Auf drei Einwohner kommt heute ein Auto, Verkehrschaos steht dennoch nicht auf der Tagesordnung. Das liegt am vorbildlichen öffentlichen Verkehrsnetz, das gut zehn Millionen Fahrgäste täglich transportiert und auf Digitalisierung und mobiles Bezahlen setzt.

 

2.     Faktor Digitalisierung – Zeit ist Geld

Dass die Öffis in Seoul so gut angenommen werden, liegt insbesondere an zwei Faktoren: Einerseits spart die Digitalisierung – zum Beispiel durch Einführung rein elektronischer Bezahlsysteme – enorm viel Zeit für die Reisenden, für die alles schnell gehen muss und selbst das Abzählen vom Wechselgeld zu zeitaufwändig ist. Die sogenannte T-Money Card kann für U-Bahnen, Busse und selbst für Taxen genutzt werden. Andererseits investiert die Regierung seit den 1990er Jahren kontinuierlich viel Geld in den Ausbau des Streckennetzwerkes. Allein 100 Millionen US-Dollar flossen seither in die Modernisierung der Busspuren. Rund 200 Millionen Dollar jährlich werden für die Subventionierung der zahlreichen privaten Busunternehmen zurückgelegt, um den Betrieb der 355 Buslinien sichern zu können.

 

3.     Eine Vision und ihre Wirkung

2012 zeichnete die koreanische Regierung ihre Zukunftsvision der Mobilität: In ein paar Jahren solle man aus allen Teilen des Landes nach Seoul pendeln können. Seitdem wurde in Rekordzeit investiert, modernisiert, erweitert und neu gebaut. Das ausgezeichnete Nahverkehrsnetz bewirkt aber seit Jahren einen gegenteiligen Effekt: Immer mehr Südkoreaner ziehen in den Großraum Seoul oder bleiben gleich dort wohnen, selbst wenn sie in der Provinz arbeiten. Und so wächst auch die Zahl derjenigen, die von der Mega-Metropole aus in die Provinzen pendeln. Immerhin bietet das Verkehrsnetzwerk dafür ausreichend Möglichkeiten.

 

4.     1.100 Kilometer Bahnstrecke und vierstellige Buslinien

Seouls erste U-Bahn-Linie entstand 1974, mittlerweile gibt es neun Linien mit über 500 Kilometern Streckenlänge. Dazu kommen noch 12 S-Bahn-Linien mit über 600 Kilometern Länge, die zusätzlich den Großraum bedienen. Bis zu drei Millionen Menschen nutzen täglich das öffentliche Bahnsystem. Ebenfalls gut strukturiert ist das Bussystem: 355 Linien, die täglich sieben Millionen Menschen transportieren. Viele Buslinien sind eigens für Pendler konzipiert, die Seoul mit den benachbarten Städten verbinden. Gemessen an den Preisen in Europa ist Bahnfahren in Seoul sehr günstig. Bezahlen lässt sich per T-Money Card oder Smartphone. Letzteres ist auch ein beliebtes Mittel, um Verbindungen zu checken und auf Streckenausfälle in Echtzeit reagieren zu können. Die Busfahrer sind übrigens für ihre ruppige und eifrige Fahrweise bekannt, weswegen in manchen Bussen Anschnallpflicht gilt.

 

5.     Taxi: Luxusvariante für den überforderten Touristen

Wer keine Lust auf den klassischen Nahverkehr allgemein hat, freut sich über ein Taxi. Davon gibt es in Seoul zwei Arten. Neben den orangenen Standardtaxen locken schwarze Luxusvarianten, „Mobeom Taxi“ genannt, vor allem die Touristen an: großräumig, komfortabel und mit Taxifahrern, die der englischen Sprache mächtig sind. Klassische Taxistände gibt es nicht, da die Autos in ständiger Bewegung sind. Übrigens: Das Heranwinken eines Taxis gilt in Südkorea als unhöflich. Vielmehr streckt man den Arm mit der Handfläche nach unten aus und wedelt mehrmals locker von oben nach unten. Sein Taxi auch mal mit anderen zu teilen, ist in Südkorea übrigens schon länger durchaus üblich und gern gesehen.