Journée sans Voitures in Paris

Die Menschen erobern die Stadt der Liebe zurück

Es klingt wie eine kleine Utopie und doch ist es machbar – zumindest für einen Tag. Den Tag ohne Autos in Paris gibt es wirklich und er ist genau das, was der Name sagt: Ein Tag ohne motorisierten Verkehr.

Viele Mobilitätskonzepte haben das Ziel, die Innenstädte den Menschen zurückzugeben, die täglichen Staus zu reduzieren und mehr Platz für Leben und die Lebensqualität des Einzelnen zu schaffen. Wo momentan einen Großteil des Tages private PKWs stehen und jedes für sich rund 9 Quadratmeter Stellfläche einnimmt, sollen in Zukunft Wohnraum, Grünflächen oder Kulturangebote entstehen.

Mit dem Tag ohne Autos geschieht dies, wenn bislang auch nur begrenzt auf einen Tag und einige Bezirke und Zonen, praktisch über Nacht. Einige Teile von Paris sind heute (02. Dezember) für Fahrzeuge bis auf wenige Ausnahmen gesperrt. Einwohner und Touristen können die Weltstadt ohne Verkehr erleben, die Ruhe genießen, kostenlose Veranstaltungen besuchen und so die Stadt für sich zurückerobern. Seit Oktober dieses Jahres ist der Aktionstag eine feste Institution für die Stadt Paris. Jeden ersten Sonntag im Monat sind die Straßen Paris stark verkehrsberuhigt.

Aber wie sieht das aus? Ausgestorbene Straßen? Eine stille Geisterstadt? Im Gegenteil: Vogelgezwitscher statt quietschender Reifen, Kinderlachen statt aufheulender Motoren. Paris ohne Autos zu erleben, lockt eine Menge Menschen in die Stadt, die durch die Innenstadt flanieren – und das ganz ohne Straßenlärm und Abgase. „Ich genieße das Meer von Leuten“, sagt ein Passant. Mehrere andere genießen die Ruhe und den Platz für jegliche Art von Aktivitäten.

Und ganz ohne Autos, würde das klappen? „Es ist doch eine Einschränkung in der Mobilität“, meint der eine. „Ältere Menschen brauchen vielleicht ein Auto, aber ich in meinem Alter nicht“, ein anderer. Manche genießen vor allem die zusätzliche Flexibilität von Services wie MOIA oder einem Taxi, um abends sicher nach Hause zu kommen oder Dinge zu transportieren – als Ergänzung zur Métro oder den Bussen. 

Ganz neu ist die Idee dieses autofreien Sonntags allerdings nicht. Bereits in den 70er Jahren wurden diese Tage auch in Deutschland aufgrund der Ölkrise durchgeführt. Seitdem gab es weltweit immer wieder solche Tage in größeren Städten. So führte man in Mexiko-Stadt auch den autofreien Tag mit der „Hay no circula“-Initiative ein. Aber in diesem Fall ist es nicht ein Tag, an dem der Verkehr zum Stillstand kommt, sondern ein Werktag pro Woche, an dem der einzelne Bewohner auf die Nutzung des Autos verzichten muss.

Die Regelmäßigkeit mit der die Millionenstadt Paris kompromisslos den motorisierten Verkehr in der Innenstadt reduziert, ist jedoch neu in der Entwicklung der urbanen Mobilität. Und Paris fordert zum Mitmachen auf.