Eine Kreuzung – 1000 Geschichten

Mitten in der Hauptstadt treffen Menschen, Kulturen und Geschichten aufeinander. Wo geht es hin? Woher kommen sie? Und warum überhaupt Berlin? Hier einige der tausenden Geschichten, die Tag für Tag an der Berliner Kreuzung von der Wilhelmstraße und Unter den Linden, aufeinandertreffen.

Matthias Eckberger, 21, Student und Michel Da Silva, 24, Einzelhandelskaufmann

Woher kommt ihr? Aus Stuttgart
Wohin geht’s? Ins Olympiastadion
 
Was gefällt euch an dieser Kreuzung? Wir sind beide zum ersten Mal in Berlin, und an dieser Kreuzung kommt einfach alles zusammen, was eine echte Metropole ausmacht: Menschen aus aller Welt. Lärm. Musik. Große Geschichte. Kleine Abenteuer. Wir könnten ewig hier stehen und zugucken. Wir haben beide brasilianisch-schwäbische Wurzeln. Wir lieben Stuttgart. Aber Berlin erinnert uns an Rio, jedenfalls jetzt, wo die Sonne scheint …

 

Andreas Berger, 57, Taxifahrer

Woher kommst du? Vom Flughafen Tegel
Wohin geht’s? Kommt ganz auf den nächsten Fahrgast an
 
Was gefällt dir an dieser Kreuzung? Ich warte hier ziemlich oft mit meinem Taxi. So einen großen freien Platz gibt es mitten in der Stadt ja gar nicht so oft. Hier kann ich so schön die Touristen beobachten und sehen, wie die mein Berlin sehen. Und wenn ich Glück habe, läuft wieder irgendeine Veranstaltung oder eine Demo vor dem Brandenburger Tor, da ist dann richtig Trubel, ist doch toll. Aber um 19 Uhr muss ich heute Feierabend machen. Ich muss zu meiner Meditationsstunde. Irgendwann brauche sogar ich mal ’ne Pause.

 

"Für mich ist das der Mittelpunkt Europas. Hier ist so viel Vergangenheit. Aber auch so viel Zukunft."

 

Manuel Barcena, 30, Tourguide

Woher kommst du? Aus Cádiz
Wohin geht’s? Ich bleibe hier
 
Was gefällt dir an dieser Kreuzung? Für mich ist das der Mittelpunkt Europas. Hier ist so viel Vergangenheit. Aber auch so viel Zukunft. Ich meine, Deutschland geht es gut. Hier ist es anders als in Spanien. Da gibt es für junge Leute keine Zukunft. Also erkläre ich jetzt meinen Landsleuten dieses Land, das immer mehr zu meiner Heimat wird.

 

Claus Person, 48, Manager, mit Sung Kwon Kim, 41, Ingenieur

Woher kommt ihr? Aus dem Hotel
Wohin geht’s? Durch ganz Berlin
 
Was gefällt euch an dieser Kreuzung? Hier ist für mich das Herz der Stadt, das habe ich gerade auch meinem Freund Sung Kwon erzählt. Er ist zum ersten Mal in Deutschland, er lebt in Südkorea. Ich komme aus Schweden, habe aber einige Jahre in Berlin gewohnt. Wir haben uns beruflich kennengelernt und wollten uns schon lange mal hier treffen. Weil ich immer wieder sage: Das ist der bewegendste Ort Europas. Schau, mein Freund, da hinten verlief die Grenze!

 

Leni Gugg, 21, Studentin Zora Bleicher, 21, Studentin

Woher kommt ihr? Aus Wien
Wohin geht’s? Zum Reichstag
 
Was gefällt euch an dieser Kreuzung? Das ist uns eigentlich alles etwas zu touristisch. Wir sind das Wochenende in Berlin und dachten uns: Na gut, bevor wir in den Shops und Clubs verschwinden, sollten wir uns schon mal die wichtigen Orte anschauen. Diese großen Sehenswürdigkeiten halt, nach denen unsere Eltern fragen werden. Tja, schon ziemlich beeindruckend. Aber auch ziemlich stressig.

 

 

Mustafa „Cäsar“ Kisi, 60, Currywurstverkäufer

Woher kommst du? „Aus’m echten Berlin“
Wohin geht’s? Immer weiter
 
Was gefällt dir an dieser Kreuzung? Hier kaufen alle eine Currywurst. 40 Prozent der Kunden sind irgendwelche Reichen, hohe Tiere, Adlon-Volk, Bundestagsleute. Die anderen 40 Prozent sind Touristen. Und dann sind da noch die 20 Prozent Hartz-IV-Empfänger, ich nenne die einfach mal so, die aus den grauen Ecken der Stadt kommen, weil das wie Urlaub ist, ohne wegzufahren. Ich rede mit allen nur noch Englisch, das macht es einfacher, da muss ich nicht mehr hin und her wechseln. Bevor ich vor vier Jahren hier angefangen habe, hatte ich einen Kiosk in einem Berliner US-Army-Krankenhaus, ich bin es also gewohnt, Englisch zu quatschen.