Der Zagreb-Plan: 5 Mobilitäts-Fakten über die kroatische Hauptstadt

Fußball-Vizeweltmeister sind sie schon. Doch wie steht es eigentlich um die Mobilität in Kroatien?

Die kroatische Fußball-Nationalmannschaft um Superstar Luka Modric von Real Madrid gehört zu den Überraschungen der Weltmeisterschaft in Russland. Gleich zwei Mal konnten die Recken von Trainer Zlatko Dalic ihren Gegner bereits im Elfmeterschießen besiegen und fordern im Halbfinale nun England. Doch wie steht es um die Mobilität in Kroatien? Können die Osteuropäer von der Adria-Küste auch hier überraschen? Wir werfen einen Blick auf die Hauptstadt Zagreb.

 

1. Rise of Electro

Die elektrischen Supersportwagen unseres Zeitalters kommen aus Kroatien. Vor den Toren von Zagreb in Sveta Nedelja sitzt die 2009 gegründete Firma Rimac Automobili, die sich auf die Herstellung von Supersportwagen, Antrieben und Batteriesystemen im Elektrobereich spezialisiert hat. Auf dem Genfer Autosalon 2018 präsentierte Gründer Mate Rimac das Modell „Rimac C_Two“. Von diesem Fahrzeug sollen maximal 150 Stück verkauft werden zu einem Verkaufspreis von über einer Million Euro. Das Fahrzeug hat einen Elektromotor pro Rad, die zusammen 1408 kW (1914 PS) sowie 2300 Nm erreichen. Das Fahrzeug soll von 0 auf 100 km/h in unter 2 Sekunden beschleunigen und von 0 auf 300 km/h in unter 12 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit soll 412 km/h betragen. Vor kurzem hat sich Porsche Anteile am kroatischen Startup gesichert und entwickelt nun gemeinsam mit Rimac Automobili Motoren für das elektrische Zeitalter.

 

2. Sauberer und besserer Verkehr

Zagreb ist Teil der Initiative CIVITAS, ein Netzwerk von Städten, die sich für einen saubereren und besseren Verkehr in Europa und darüber hinaus einsetzen. Seit ihrer Gründung durch die Europäische Kommission im Jahr 2002 hat die CIVITAS-Initiative über 800 Maßnahmen und städtische Verkehrslösungen im Rahmen von Demonstrationsprojekten in mehr als 80 Living-Lab-Städten in ganz Europa getestet und umgesetzt. Als moderne EU-Stadt mit rund 800.000 Einwohnern muss Zagreb täglich zwischen 1,5 und 2 Millionen Fahrten bewältigen. Das ist keine leichte Aufgabe. Das Rückgrat des städtischen Verkehrssystems ist das PT-Netz (Straßenbahnen, Busse, Standseilbahnen und S-Bahnen), aber ein großer Teil der Fahrten wird durch Individualverkehr ergänzt. Das liegt unter anderem daran, dass das Radwegenetz der Stadt (mehr als 200 km Radwege) inkohärent ist, obwohl die geografische Lage der Stadt ein enormes Potenzial bietet. Mit CIVITAS ELAN hat Zagreb nun drei Hauptbereiche definiert: Verbesserung der Bedingungen im öffentlichen Verkehr, Aufbau eines Dialogs mit den Bürgern sowie Verbesserung und Förderung von Wandern und Radfahren.

 

3. Bürgernahe Organisationen für das Fahrradwesen

Die Zahl der Radfahrer in Zagreb hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dieser Anstieg ist neben der CIVITAS-Initiative auf eine sehr aktive Radsportszene mit bürgernahen Organisationen zurückzuführen, die eng mit der Stadt zusammenarbeiten. Wann immer es größere Straßenarbeiten gibt, wird die Möglichkeit, Radwege hinzuzufügen, automatisch diskutiert, was jedoch innerhalb der von Touristen dominierten Stadt zu einer etwas verstreuten und uneinheitlichen Infrastruktur geführt hat. Daher sind auf Initiative der Bürgergesellschaft eine integrierte Fahrradpolitik und ein dedizierter Cycling-Masterplan erforderlich, um das Potenzial der Stadt zu nutzen. Das wichtigste strategische Dokument von Zagreb - der ZAGREB-PLAN - enthält einen Abschnitt über den Verkehr, der die Bedeutung alternativer Verkehrsmittel wie Radfahren und Wandern in der Natur sowie deren zunehmenden Anteil am Modal Split betont und voranbringen soll. Diese Maßnahme verbessert die Bedingungen für das Radfahren nachhaltig, insbesondere auf dem Korridor Savska Cesta, und stärkt die Integration zwischen Radfahren und öffentlichem Verkehr.

 

4. Straßenbahn mit Tradition

Die Straßenbahn Zagreb ist das Straßenbahn-System der kroatischen Hauptstadt und wird vom kommunalen Verkehrsunternehmen Zagreba?ki elektri?ni tramvaj (ZET) betrieben. Dieses ist auch für die örtliche Standseilbahn sowie den städtischen Linienbusverkehr zuständig. Sie wurde am 5. September 1891 als Pferdebahn eröffnet. Die erste Strecke war acht Kilometer lang und hatte eine Spurweite von 760 Millimetern. Diese sogenannte bosnische Spurweite war auf dem Balkan weit verbreitet und gilt bis heute als Vorbild. Sie wurde im Zuge der 1910 erfolgten Elektrifizierung auf Meterspur umgebaut. Der Betrieb wurde am 18. August 1910 mit Wagen des Unternehmens Ganz aus Budapest wiederaufgenommen. Seitdem entwickelte sich das Netz kontinuierlich weiter und wird heute von insgesamt 15 Linien bedient. Weitere beliebte Fortbewegungsmittel an der Adria-Küste sind die Car-Sharing-App „Spin City“ und die besonders bei Touristen häufig genutzte Standseilbahn, die als ältestes Verkehrsmittel der kroatischen Metropole Ober- und Unterstadt miteinander verbindet.

 

5. Preisträger in nachhaltiger Mobilität

Mit dem Preis der Europäischen Mobilitätswoche (EMW) wird diejenige kommunale Behörde ausgezeichnet, die nach dem Urteil der Jury am meisten dafür getan hat, um die Öffentlichkeit für Fragen der nachhaltigen Mobilität zu sensibilisieren und Projekte durchzuführen, mit denen eine Verlagerung hin zu einem nachhaltigen städtischen Verkehr erreicht werden soll. Bereits 2012 wurde Zagreb durch die EU ausgezeichnet und im Rahmen der Jury-Begründung als „neuer Stern am Mobilitätshimmel“ bezeichnet. Im Finale setzte sich Zagreb mit einem umweltstarken und auf Bürgerdialog-fokussierten Konzept gegen 30 Einreichungen aus 15 Ländern durch, darunter Toulouse aus Frankreich und Ljutomer aus Slowenien.