Allez les bleus: 5 Mobilitäts-Fakten über Paris

Schon jetzt ist davon auszugehen, dass - sollte die französische Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen - in Paris der Verkehr zum Erliegen kommt und die gesamte Hauptstadt auf den Beinen ist, ihre Weltmeister zu feiern.

Didier Deschamps hat es geschafft: Der Baske hat die französische Fußball-Nationalmannschaft nach dem Finale bei der Europameisterschaft 2016 im eigenen Land nun auch ins Endspiel der WM in Russland geführt. Gewinnt der 49-jährige Fußball-Lehrer den Titel, steigt er in einen erlesenen Kreis derer auf, die als Spieler und Trainer Weltmeister wurden. Schon jetzt ist davon auszugehen, dass dann in Paris der Verkehr zum Erliegen kommt und die gesamte Hauptstadt auf den Beinen ist, ihre Weltmeister zu feiern. Stichwort Verkehr: Wir werfen einen Blick auf die Mobilitäts-Situationen rund um die Champs-Élysées und den Eiffelturm.

 

1. 2030 fahrerlose U-Bahnen

Der Grand Paris Express ist ein mit Zeithorizont 2030 geplantes und aus sechs fahrerlosen U-Bahn-Linien bestehendes Netz im Großraum Paris. Es wird aus den existierenden zu verlängernden Métrolinien 11 und 14 sowie vier neu zu schaffenden Linien 15, 16, 17 und 18 bestehen. Das geplante Netz wird auch als supermétro automatique régional (regionale vollautomatische Super-U-Bahn) bezeichnet. Es soll eine Länge von 200 Kilometern und 72 Bahnhöfe aufweisen und unter Federführung der Société du Grand Paris (SGP) sowie dem Syndicat des transports d’Île-de-France (STIF) realisiert werden. Durch den Bau des Grand Paris Express, wird sich die Größe des Pariser Métronetzes, das bereits mit 220 km das zweitgrößte in Europa ist, verdoppeln und damit die London Underground überholen.

 

2. Weniger Verkehr, dafür Chillen an der Seine

Paris hat eine Uferstraße der Seine für den Autoverkehr gesperrt und bekommt somit eine weitere Fußgängerpromenade im Herzen der Stadt, die alleine Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist. Der Entscheidung zur endgültigen Schließung der rund 3,3 Kilometer langen Schnellstraße Georges Pompidou gingen monatelange politische Auseinandersetzungen voraus. Die Kritiker argumentierten, es werde nach Sperrung der Verkehrsachse mit täglich rund 43.000 Autos riesige Staus im Zentrum geben. Eine Petition gegen die Umwandlung der Uferstraße unterzeichneten rund 11.000 Menschen, die Bürgermeisterin Anne Hidalgo – deren Kernthema der Umweltschutz ist – bezeichnet den Beschluss als Gewinn für die Mobilität und ein Mehr an Lebensqualität.

 

3. Der Verkehr der Zukunft – schon heute

Paris hat eine Attraktion, die die meisten Touristen übersehen und die in den wenigsten Reiseführern erwähnt wird: In der französischen Hauptstadt lässt sich nämlich schon heute besichtigen, wie der Verkehr der Zukunft in vielen anderen Städten aussehen könnte. Von 1990 bis 2015 ist der Anteil der Autos am Stadtverkehr um 45 Prozent gesunken, der Anteil von Tram, Bus und Bahn stieg im gleichen Zeitraum um 30 Prozent und der Anteil der Radfahrer verzehnfachte sich. Die Stadt Paris ergriff übrigens schon früh Maßnahmen, um Fußgängern und Fahrradfahrern das Leben zu erleichtern: In seiner Zeit als Bürgermeister ließ der spätere Präsident Jacques Chirac (1977 bis 1995) Poller aufstellen, um Autofahrer davon abzuhalten, die Gehwege zuzuparken. Chiracs Nachfolger im Amt, Jean Tibéri, legte dann 1996 das erste Programm für Fahrradfahrer vor, neue Radwege entstanden und Tempo-30-Zonen wurden eingeführt. Seit 2007 gibt es mit “Vélib” eines der größten Fahrradverleihsysteme in einer westlichen Metropole.

 

4. Mit dem E-Scooter durch die Stadt

Das E-Scooter-Startup Lime erobert aktuell die französische Hauptstadt und ergänzt den multimodalen Ansatz im Stadtbild. Die Lime Roller sind solide gebaut, aber relativ leicht, dank ihrer hellgrünen Motoren gut zu erkennen und spritzig, mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 24 km pro Stunde. Die Buchung läuft einfach über via App auf dem Smartphone, gestartet wird der Scooter mit dem Scan eines QR-Codes direkt am Lenker.

 

5. Elektrisches Carsharing Autolib gescheitert

Wie nahezu jede Metropole hat allerdings auch Paris Probleme bei der Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte. Ein aktuelles Beispiel ist das Scheitern der Carsharing App Autolib. Rund 4.000 der kleinen silbernen „Autolib“-Flitzer, die der Milliardär Vincent Bolloré seit 2011 nach Paris brachte, haben aus der Hauptstadt einen der weltweiten Hoffnungsträger in Sachen Elektromobilität gemacht. Doch der Entzug der Konzession hat dem ganzen nun ein jähes Ende gesetzt. Drei Gründe sprechen für den radikalen Schritt: Eine Kostenexplosion, der schlechte Service durch das Autolib-Team für die Nutzer und die fehlenden Ladesäulen innerhalb der Stadt. Denn konstruktionsbedingt müssen die elektrisch betriebenen Autolib-Fahrzeuge sofort an eine Ladestation gekoppelt werden, wenn sie stehen – innerhalb von Paris nahezu unmöglich.