Killt Straßenverkehr das Klima?

Die Klimawoche ist zwar vorbei, aber die Klimakrise dauert immer noch an. Wir betrachten das Thema Klimawandel aus verschiedenen Blickwinkeln. Diese Woche: Wenn der Verkehr nicht der größte Treibhausgas-Produzent ist, warum ist er trotzdem einer der wichtigsten Schlüsselpunkte?

Von insgesamt 906,6 Tonnen CO2-Ausstoß in Deutschland im Jahr 2017 entfielen 166 Millionen Tonnen auf den Straßenverkehr. Neue Technologien und Technik haben den Straßenverkehr in den letzten 20 Jahren sehr viel umweltfreundlicher gemacht. So berichtet das Umweltbundesamt, dass sich beispielweise die spezifischen Emissionen an Schwefeloxid vom Jahr 1995 bis zum Jahr 2017 durch strengere Vorschriften für die Kraftstoffqualität um rund 98 Prozent verringert haben. Ausgestoßene Stickstoffoxide sanken um 56 Prozent, Feinstaubemissionen um 79 Prozent und die Kohlendioxid-Emissionen wurden um 15 Prozent reduziert. Die spezifischen Emissionen pro Fahrleistung sind also geringer geworden.

Während der deutsche Treibhausgas-Ausstoß seit 1990 bis 2017 um 27,5 Prozent verringert werden konnte, hat sich im Verkehr unterm Strich nichts verändert. Im Gegenteil, die Tendenz geht eher zur Verschlechterung. Aber warum?

Das hat mehrere Gründe. All die technischen Verbesserungen und der technologische Fortschritt können nicht mit dem Wachstum an Verkehr Schritt halten. Von 1991 bis 2017 nahm der motorisierte Individualverkehr um 33 Prozent zu. Zusätzlich werden vermehrt größere, leistungsstärkere Autos gefahren. Alleine seit 2014 hat sich der Anteil der SUVs an Neuzulassungen von 9,8 Prozent auf 20,3 Prozent (Prognose 2019) mehr als verdoppelt. Auch die Gesamtmenge an Fahrzeugen wächst. Jährlich werden über 3.000.000 PKWs in Deutschland neu zugelassen. Seit 2014 lagen wir zudem jedes Jahr noch weit darüber. Im Jahr 2018 waren es schon rund 3.400.000 PKWs. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch bei Motorrädern und LKWs ab. Gleichzeitig werden diese Fahrzeuge nicht sonderlich effizient genutzt. Von den fünf Sitzplätzen werden in Deutschland im Schnitt nur 1,46 Sitzplätze genutzt.

All das führt dazu, dass der spezifische CO2 Ausstoß, also durchschnittlich pro Fahrleistung, um 18 Prozent gesunken ist, doch die Gesamtemissionen im Verkehr seit 1995 sogar um 0,5 Prozent gestiegen sind.

Die Klimabelastung durch den Verkehr ist allein mit technologischem Fortschritt schwer zu verringern. Was es neben effizienteren Motoren und neuen Antriebsformen braucht, ist ein Umdenken bei uns allen. Das heißt: Wo möglich, sollten wir mehr ÖPNV-Angebote nutzen, mehr Rad, Roller oder E-Bike fahren, Fahrten teilen und auch mal hinterfragen, ob der eigene PKW für gewisse Fahrten wirklich das beste Verkehrsmittel ist. Eine Änderung unseres Verhaltens wäre im Kampf gegen den Klimawandel die größte Innovation.

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