7 Fakten über das Fahrrad-fahren in Kopenhagen

Wir waren diese Woche in Kopenhagen auf dem ITS World Congress und haben über die Zukunft der Mobilität diskutiert.

Dabei haben wir uns auch die bemerkenswerteste Besonderheit am Verkehrssystem von Kopenhagen angeguckt.

Die Verkehrswende kann so viele Gesichter haben, seien es Menschen, die sich ihre Fahrt teilen oder ein vorbildliches System der öffentlichen Verkehrsmittel. Kopenhagen zeigt uns hier ein besonders sportliches und umweltfreundliches Gesicht der Verkehrswende in Form einer exzellenten Infrastruktur für Fahrradfahrer. Wo man in Deutschland vielerorts noch über schlechte Fahrradwege oder regelrechte Sackgassen für Radfahrer flucht, bietet die dänische Hauptstadt wortwörtlich Highways für die fleißigen Biker.

Und die guten Bedingungen, die für den Fahrradverkehr geschaffen werden, zahlen sich aus. In sieben erstaunlichen Fakten zeigt sich, dass Kopenhagen als Fahrradstadt weltweit die Nase vorn hat.

 

1. Knapp 50 % aller Kopenhagener fahren mit dem Fahrrad zu ihrer Arbeitsstelle oder Ausbildung

In Worten: Die Hälfte aller Berufstätigen Kopenhagener fährt mit dem Rad zur Arbeit! In Deutschland sind es im bundesweiten Durchschnitt gerade einmal neun Prozent. 30 Prozent der Kopenhagener nutzen für ihren Arbeitsweg übrigens öffentliche Verkehrsmittel und nur 24 Prozent fahren mit dem Auto zur Arbeit.

Zum Vergleich: Auf die Zahl der Erwerbstätigen in Hamburg gerechnet, wären das rund 500.000 Menschen, die täglich morgens und abends mit dem Fahrrad unterwegs sind. Auch wenn Hamburgs Infrastruktur für Fahrräder im deutschen Vergleich gar nicht schlecht ist, würde diese Masse an Radfahren derzeit vermutlich die Radwege überfordern.

 

2. 35 % aller, die in Kopenhagen arbeiten aber in Vororten oder Nachbarstädten wohnen, pendeln mit dem Rad zur Arbeit

Die häufigste Ausrede von Alleinfahrern, die mit dem Auto zur Arbeit pendeln, ist, dass sie immerhin aus den Vororten kämen und einen zu langen Arbeitsweg haben. Möglicherweise würde ein Kopenhagener nicht einmal verstehen, wo da der kausale Zusammenhang besteht. Denn mehr als die Hälfte der täglichen Fahrradfahrer in Kopenhagen sind Pendler aus den Vororten.

 

3. 25 % aller Familien mit zwei Kindern haben ein Lastenfahrrad, mit dem sie ihre Kinder in den Kindergarten fahren und einkaufen gehen usw.

Wer schon einmal im Kopenhagen unterwegs war, weiß, dass Lastenfahrräder das Stadtbild der dänischen Metropole prägen. Bei uns sind die Transporträder aber eher selten zu sehen. Sobald es zum Einkaufen geht oder die Kinder in die Schule bzw. den Kindergarten gebracht werden müssen, steigen die Deutschen am liebsten ins Auto.

 

4. Insgesamt fahren die Kopenhagener täglich 1,4 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad.

Sich auf zwei Rädern fortzubewegen, ist in Kopenhagen selbstverständlich. Und das kommt nicht von ungefähr. Die Infrastruktur für den Fahrradverkehr ist vorbildlich. Es gibt knapp 400 Kilometer Radwege, die größtenteils durch Bordsteine von Straße und Gehweg abgetrennt sind. Die Hälfte der Fahrradfahrer in Kopenhagen treten in die Pedale, weil sie der Meinung sind, dass sie mit dem Fahrrad am schnellsten von A nach B kommen.

 

5. In Zentral-Kopenhagen gibt es mehr Fahrräder als Einwohner.

Das klingt zunächst nicht vorteilhaft. Schließlich ist der Sinn der Verkehrswende doch, die Stadt den Menschen zurückzugeben und nicht den Fahrrädern. Aber im Vergleich zu Deutschland ist dieser Wert nahezu nichtig. Was Platzverschwendung durch Verkehrsmittel angeht, haben wir mit ganz anderen Dimensionen zu kämpfen: In Deutschland kommen auf 1.000 Einwohner rund 3435 Autositzplätze!

 

6. Der am meisten befahrene Radweg der Welt liegt in der dänischen Hauptstadt

Auf dem Radweg an der Nørrebrogade sind täglich bis zu 40.000 Radfahrer unterwegs – Weltrekord! Mit Rekorden kennt sich die Stadt aus. Schon 2007 wurde Kopenhagen von dem Dachverband nationaler Radsportverbände als erste Metropole überhaupt mit dem UCI Bike City Label ausgezeichnet. Damit sind die Dänen auf dem besten Weg noch ein weiteres, selbst gesetztes Ziel zu erreichen: Bis zum Jahr 2025 will Kopenhagen die erste kohlenstoffneutrale Hauptstadt der Welt sein.

 

7. Bicycle Superhighways und Fahrradbrücken für mehr Komfort und Sicherheit

Die Infrastruktur in Kopenhagen ist auf die Bedürfnisse der Fahrradfahrer abgestimmt. Viele Radwege werden kontinuierlich auf drei Fahrstreifen erweitert, damit mehrere Fahrradfahrer nebeneinander fahren oder überholen können.  Die Stadt plant außerdem, vermehrt Grüne Wellen auf die Geschwindigkeiten der Radfahrer abzustimmen, um diese für Pendler zu erhöhen. An Hauptverkehrspunkten sind die Fahrradspuren sogar leuchtend blau markiert. Gefährliche Kreuzungen sind mit blinkenden LED-Leuchten ausgestattet, die aufleuchten, sobald sich ein Fahrradfahrer nähert.