„Wir müssen in der Testphase Fehler machen“

Jashar Seyfi, zuständig für International Business Development,
erklärt, was er sich von dem Test erwartet. 

Jashar, ihr arbeitet seit Monaten hart. Jetzt kommt die Generalprobe. Nervös?

Ich glaube, den meisten von uns ist noch gar nicht wirklich bewusst, was in den nächsten Wochen alles passieren wird. Wir haben uns in der Vergangenheit sehr intensiv mit verschiedenen Konzepten, Geschäftsmodellen und anderen Dingen in der Theorie beschäftigt. Aber nun werden bald erstmals echte MOIA Kunden über die App unsere Fahrzeuge buchen. Spätestens dann werden wir in einen ganz neuen Arbeitsmodus übergehen. Ich freue mich darauf!
 

Warum habt ihr gerade Hannover als Teststadt für den Service ausgewählt?

Hannover ist etwas kleiner als Hamburg, wo unser Service ja Ende nächsten Jahres launchen soll. Die Stadt hat also eine gute Größe, um mit einer begrenzten Flotte den Betrieb realitätsnah testen zu können. Mit Volkswagen Nutzfahrzeuge ist zudem ein Schwesterunternehmen in der Stadt, das uns mit lokalem Know-how und dem Fahrzeug für die Testphase unterstützt. Auch die Stadt selbst, für uns stets ein wichtiger Partner, ist unserem Vorhaben gegenüber sehr positiv eingestellt. Deshalb glauben wir, dass Hannover ein ideales Testfeld ist. Wir werden hier bewusst Dinge ausprobieren, die schiefgehen könnten.

Zum Beispiel?

Wir werden verschiedene Schichtplanungsmodelle testen, die App regelmäßig updaten, mit der Anzahl und der Verteilung der virtuellen Haltestellen experimentieren oder beispielsweise den Ridepooling-Algorithmus regelmäßig anpassen. Was gleichzeitig bedeutet: Wir müssen in der Testphase auch Fehler machen, damit sie später nicht mehr passieren. Dafür ist der Servicetest da.
 

Darf jeder bei dem Test mitmachen?

Ja. Grundsätzlich kann sich jeder über hannover.moia.io als Testkunde bewerben. Die Kandidaten werden dann per Zufallsprinzip ausgewählt. Um ein realitätsnahes Szenario abzubilden, brauchen wir dabei eine möglichst heterogene Testgruppe: verschiedene Alters- und Einkommensgruppen, Geschlechter, Wohnorte und so weiter. Die Zusammenarbeit mit gezielt ausgewählten Kooperationspartnern wie der Leibniz Universität oder dem Innovationszentrum Niedersachsen wird uns dabei helfen.
 

Wie genau kann man so einen Test im Vorfeld planen?

Jeder bei MOIA ist Experte auf seinem Gebiet und leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass wir im Oktober mit einem qualitativ hochwertigen Service an den Start gehen werden. Gleichzeitig muss aber in der Praxis nicht immer alles so laufen, wie es in der Theorie durchdacht wurde. Insbesondere weil es einen vergleichbaren Service dieser Art noch gar nicht gibt. Wie gut unsere Arbeit der letzten Monate letztlich war, wird sich in wenigen Wochen zeigen, aber ich persönlich vertraue da voll und ganz auf die Qualität unseres Teams.

Inwiefern habt ihr versucht, die Routen vorherzusehen, die die Shuttles fahren werden?

Die Routen werden von einem sogenannten Ridepooling-Algorithmus bestimmt. Wir haben hierfür eigens ein Team von Spezialisten aus Helsinki an Bord geholt, das täglich an der Optimierung der Routenplanung arbeitet, damit unsere Kunden stets mit minimalen Wartezeiten und auf dem direktesten Weg ans Ziel kommen. 
 

Gibt es irgendetwas, Das dir schlaflose Nächte bereitet?

Das wäre übertrieben. Aber zwei Themen sind für uns besonders kritisch: Zum einen müssen alle Bestandteile der Technologie – App, Algorithmus und Backend – perfekt aufeinander abgestimmt sein und fehlerfrei funktionieren. Zum anderen ist auch die Operationsseite eine Herausforderung: das Flottenmanagement, die Schichtplanung und die Schulung der Fahrer. Es gibt bei unserem Service ja auch eine große menschliche Komponente. Und das ist auch gut so. 
 

Wie wird der MOIA Shuttle aussehen?

Wir werden das erste Mal überhaupt in einem VW T6 Multivan all die Soft- und Hardwarelösungen verbauen, die wir für den Betrieb unseres Services im Shuttle brauchen. Dazu gehört beispielsweise ein Tablet, das dem Fahrer die dynamische Route vorgibt. Wir haben ein neues Infotainmentsystem im Wagen, das in Echtzeit die nächsten Zu- und Ausstiege anzeigt sowie für Kommunikationszwecke genutzt werden soll. All das haben wir natürlich schon hinreichend getestet, aber wie das in einem belasteten System funktioniert, wissen wir nicht. Das wird sehr spannend. 
 

Habt ihr keine Sorge, dass sich die Konkurrenz etwas bei euch abschaut?

Meine persönliche Meinung ist: Jeder, der sich unseren Service anschauen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, sich über hannover.moia.io als Testnutzer zu bewerben. Das stört mich gar nicht. Auch weil ich persönlich nicht glaube, dass in Zukunft ein einzelner Anbieter alle anderen Mobilitätsdienstleister vom Markt verdrängen wird. Im Gegenteil. Ich denke, jeder Anbieter profitiert in gewisser Weise vom Erfolg der anderen, weil dadurch innovative Services schneller den Weg in die breite Masse finden.
 

Wie wird sich ein On-Demand-Ridepooling-Service auf die Verkehrsangebote der Stadt insgesamt auswirken?

In Kombination mit am Markt bereits etablierten Angeboten wie dem Taxi, dem ÖPNV oder Carsharing-Diensten bietet MOIA eine wunderbare Alternative zum privaten Pkw. Der Anreiz, das eigene Auto stehen zu lassen oder gar abzuschaffen, wird umso größer, je attraktiver das Vergleichsangebot in einer Stadt ist. Mittel- bis langfristig führt die Reduktion von privaten Fahrzeugen dann zu einer Verringerung von Parkdruck, Stau, Emissionen und Verkehrslärm. Nicht mehr benötigte Parkplätze können dann zum Beispiel in Grünanlagen umfunktioniert werden. Das Gute daran: Davon profitieren am Ende nicht nur diejenigen, die unseren Service nutzen, sondern alle Bürger. Die Städte werden zu lebenswerteren Orten.