MOIA follow me around: einmal quer durch Uganda 

Wenn Niko Hüls von Backspin nicht gerade Künstler interviewt, setzt er sich ehrenamtlich für Trinkwasserzugang für die ganze Welt ein. Dafür war er mit Viva con Agua in Uganda. 

Niko Hüls vom Magazin Backspin kennt die deutsche Hip Hop Szene in- und auswendig. Wenn er nicht gerade hochkarätige Künstler interviewt oder ein neues YouTube Video aufnimmt, engagiert er sich auch im Rahmen von Viva con Agua, einer Organisation aus St. Pauli, die sich für sauberen Trinkwasserzugang in aller Welt einsetzt.

Lieber Niko, mit Viva con Agua seid ihr vor kurzem nach Uganda gereist, um dem Ziel von frischem Trinkwasser rund um den Globus einen Schritt näher zu kommen. Wie habt ihr euch denn innerhalb von Uganda hauptsächlich fortbewegt?

Momentan ist Uganda eher (noch) Teil der dritten als der ersten Welt. Das Netz in Uganda ist im Moment noch nicht gut ausgebaut, es ist chaotisch und unübersichtlich. Es gibt keine Schilder und keine Fahrpläne. Doch für die Menschen dort funktioniert das System; es ist lediglich für Touristen nicht zu erkennen und schwer zu nutzen. Daher ging es für uns dort eher darum, ein sogenanntes Boda Boda zu bekommen. Das sind Mopeds, die von Einheimischen gefahren werden, die unzählig am Straßenrand darauf warten, dich von A nach B zu bringen. Es bedarf ein bisschen Mut und Selbstbewusstsein mitzufahren, aber ist immer ein Erlebnis. Bei den günstigen Preisen muss nicht groß gefeilscht werden und die Einheimischen sind zudem sehr offen und freuen sich wahnsinnig, einen mitzunehmen.

In Uganda haben nur 9% der Bevölkerung ihr eigenes Auto, trotzdem sind die Straßen hoffnungslos verstopft. Der ÖPNV – vor allem in und um Kampala – wird stetig ausgebaut. Siehst du in dem Ausbau der Mobilität eine generelle Entwicklungschance für Uganda?

Der entscheidende Punkt hier ist, dass die Menschen vor Ort oft keine Arbeit haben. Daher nehmen sie den Bus, um in die Stadt zu kommen und sorgen damit für das Chaos. Doch man merkt den stetigen Ausbau der Mobilität. Und das ist eine riesige Chance für Uganda. Ob man zum Trinkwasser oder zur Arbeit kommen muss – die Mobilität hilft den Einheimischen erheblich, ihre Lebensqualität zu verbessern und Geld zu verdienen.

Außerdem bietet die Mobilität noch eine ganz andere Chance: Denn Transport verbindet. Auch Kulturen. Wir waren in Uganda mit offenen Armen unterwegs – und wurden dann auch so empfangen.

Inwieweit beschäftigt dich (und deinen Umkreis/dein Umfeld) das Thema Mobilität in Deutschland und die Zukunft der Mobilität?

Uns beschäftigt das Thema Mobilität sehr stark. Das kommt allein dadurch, dass es mittlerweile viel mehr Fortbewegungsmittel gibt als das Auto. Es gibt den klassischen ÖPNV, wie die Bahn. Dann aber auch shared Bikes oder shared Scooters, die man über eine App buchen kann. Mit diesen Elektroscootern erlebt man auch nochmal die Gegend ganz anders. Sowohl beruflich als auch privat ist Mobilität ein krasses Thema für uns. Wenn wir unserem Beruf geschuldet so viel unterwegs sind, ist jede Art von Mobilität für uns wichtig. Zum Beispiel auch der Fahrradverleih oder das Carsharing. Oder die verschiedenen Möglichkeiten der Bahn. Für uns ist Mobilität eine Chance. Zu reisen, die Welt zu sehen und Menschen zu treffen und kennenzulernen; das geht am besten über Transportmittel. Und das sollte man nutzen, gerade in einer Zeit, in der in manchen Bereichen Angst herrscht.

Ich bin der Meinung, dass mit dem rasanten Wachstum der Städte auch immer mehr die Mobilität bei den Menschen in den Fokus rückt und immer wichtiger wird. Ich mag zum Beispiel auch die Idee von Carsharing, wenn man überhaupt kein Auto mehr braucht. Das muss allerdings meiner Meinung nach noch ausgebaut werden, dass man auch außerhalb von Hamburg unabhängig und individuell unterwegs sein kann. Wir leben in so einer bunten Welt; da sollte es möglich sein, dass jeder miteinander verbunden und vernetzt ist und nicht die Menschen, die aus Dörfern kommen, dort aus mangelnden Transportmöglichkeiten bleiben müssen. Mobilität ist der Motor, um die Welt zu sehen.

Seit einigen Jahren hat man immer mehr Möglichkeiten, sich in deutschen Großstädten wie Hamburg fortzubewegen. Wie beeinflusst das dein Mobilitätsverhalten?

Es ist ganz einfach. Ich persönlich habe ein Auto, das brauche ich privat und beruflich. In Eimsbüttel ist das aber auch schrecklich mit den Parkplätzen. Daher bietet sich Carsharing an. Das ist wesentlich flexibler und schneller und ist preislich auch auf einem guten Niveau. Ich würde mir auch Shared Scooter in Hamburg wünschen, die man an jeder Straßenecke abstellen kann. Aber man merkt generell, dass Shared Services mehr genutzt werden; man hat ständig Probleme, ein car2go oder ein Fahrrad zu bekommen; da ist der Bedarf nach mehr. Dann würde das Mobilitätsverhalten sich noch stärker verändern.

Könntest du dir vorstellen, auf ein Auto zu verzichten? Welche Dienste könntest du dir stattdessen vorstellen und wie müssten diese aussehen?

Die Selbstständigkeit zwingt mich leider im Moment noch zur Nutzung eines Autos. Mit der Videoproduktion und dem Equipment braucht man oft ein Auto. Trotzdem lasse ich es, wenn möglich, gerne in der Garage stehen. Dann nutze ich Angebote wie car2go. Wenn ich mal etwas mehr Geld ausgeben will, steige ich auch gerne in ein Sammeltaxi. Auf privater Ebene ist das schon wesentlich einfacher. Wenn es ein Konzept wie car2go mit tausenden Autos geben würde, könnte das auch beruflich bei mir schon anders aussehen.